OCD- Gelenkschäden im Welpenalter

28. Februar 2015 | Tierärztin Hanna Stephan

Die OCD ist eine besondere Form der Arthrose und tritt vor allem bei großen und Riesenrassen in einem Alter von 5-8 Monaten auf. Prädestiniert sind für diese Erkrankung besonders die großen Gelenke des Körpers: Ellenbogen, Schulter, Sprung- und Kniegelenke.

An den Enden der beteiligten Knochen des Gelenkes lösen sich Teile des Knorpels ab und verursachen dadurch Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und eine Lahmheit des Hundes.

Auslöser der schmerzhaften Knorpelauflösung ist eine fehlerhafte Entwicklung der Knochen während des Wachstums, so dass sich eine ungewöhnlich dicke Knorpelschicht bildet.  Durch die unproportionierte Dicke des Knorpels wird dieser nicht mehr ausreichend über die Gelenkflüssigkeit versorgt und die Knorpelqualität sinkt.

Wird dieser „minderwertige“ Knorpel belastet, kommt es zu kleinen Frakturen und Rissen, die sich immer weiter ausdehnen, bis sich Teile des Knorpels ablösen und als „Gelenkmäuse“/ „Chips“ frei im Gelenk schwimmen. Die Chips stören je nach Größe den reibungslosen Bewegungsablauf des Gelenks und führen zu Schmerzen, Entzündungen und  Arthrosen. Die auftretenden Entzündungen verstärken sich,  wenn die Gelenkflüssigkeit, durch Risse im Knorpel, Kontakt zur Knochenhaut bekommt. Meist treten die ersten Symptome schon beim kleinen Hundewelpen im Alter von 4-6 Monaten auf.

Es handelt sich bei der OCD um eine sogenannte „multifaktorielle“ Erkrankung, was bedeutet, dass mehrere Ursachen zu ihrer Entstehung beitragen. Hinzu kommen gewisse  Faktoren, welche diese Knochenerkrankung noch weiter begünstigen: eine starke Belastung des Tieres kombiniert mit einer falschen Ernährung sind besonders schwerwiegend. Die zu reichhaltige Fütterung eines Welpen begünstigt ein viel zu schnelles Wachstum im ersten Lebensjahr, was die instabilen Gelenke nicht gut verkraften. Neben diesen „hausgemachten“ Faktoren werden hormonelle Störungen und eine Vererbung als Auslöser der OCD diskutiert.

Therapie
Die Therapie erfolgt bei einem leichtem Befund und geringen Symptomen über schmerzstillende Medikamente und Homöopathie.
Bei nur kleinen Veränderungen am Knorpel kann eine komplette Ruhigstellung des Hundes über 3 Monate versucht werden. Durch die geringe Belastung des Knorpels während dieser Zeit können bestehende Risse ausheilen. Zudem muss eine Überversorgung mit Mineralstoffen und Energie vermieden werden, damit das Knorpelwachstum nicht weiter gefördert wird.
In schwereren Fällen ist eine Operation des Hundes am Gelenk erforderlich. Bei dieser Operation werden die Gelenkmäuse und Knochenstückeentfernt.
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Die beste Therapie selbstverständlich die Vorbeugung der OCD, da so Schmerzen für den Hund vermieden werden. Es sollte alles unternommen werden, um das Auftreten einer OCD zu verhindern. Hierzu ist es wichtig, dass die Zuchttiere sorgfältig ausgewählt werden und die Welpen gesund groß gezogen werden.
Jede übermäßige Belastung eines jungen Hundes- besonders der großen Rassen-  muss vermieden werden, um die Knochen zu schonen. Der engagierte Hundebesitzer trägt seinen Welpen deswegen die ersten 6-10 Monate die Treppen hinauf oder wählt den Fahrstuhl, lässt seinen Vierbeiner nicht ins Auto springen und vermeidet intensive Wanderungen oder lange Aktivitäten im tiefen Sand (z.B. lange Strandläufe).

Die Fütterung des Welpen muss immer maßvoll und ausgewogen sein, damit das Wachstum nicht auf unnatürliche Weise beschleunigt wird. Weit verbreitet ist der Irrglauben, dass eine exzessive Fütterung die Hunde besonders  groß und stark macht. Die endgültige Größe eines Lebewesens liegt jedoch in seinen Genen und ist von daher von Geburt an festgelegt und nicht beeinflussbar. Lediglich der Zeitpunkt des Erreichens kann beschleunigt werden, was die Knochen jedoch häufig mit Langzeitschäden quittieren- und dann muss der Hund lebenslang leiden.